Diese Tage bin ich mit dem Postauto nach Schänis gefahren, um mir die blühenden Schneeglöckchen-Wiesen anzuschauen. Hier haben sich die einstigen Naturwiesen mit ihrer herrlichen Frühlingspracht erhalten können und haben mich wieder sehr gefreut! Was andernorts weitgehend verschwunden ist, scheint hier noch immer heil geblieben und blüht bis in die Wälder hinein. Die Frühlings-Knotenblume, auch Märzenbecher, oder in der Mundart einfach ›Määrzeglöggli‹ benannt, gehört zu den Amaryllisgewächsen und ist eine Giftpflanze (Leucojum vernum). In den letzten 50 Jahren sind viele einstmals grosse Standorte auf wenige Relikte zurückgegangen. So im Goldingertal und am Rickenpass! Wie an ganz besonderen Lagen im Jura die Osterglocken, so sind auch die Knotenblumen fähig, ihre Standorte zu halten oder gar zu erweitern.
Nun! Der Mensch ist ja sicher in den letzten Jahren auch vernünftiger geworden und weiss um die Gefährdung einzelner Pflanzenarten. Ich glaube, dass kaum mehr viele Zeitgenossen Büschelweise Blumen nach Hause tragen, wie das früher gang und gäbe war. Viele Walder sind damals ins Goldingertal gewandert oder mit dem Velo gefahren, um ›Schneeglöggli‹-Sträusse zu holen. «Es hat ja so viele!», war wohl die Antwort auf mahnende Worte von Natur-Freunden wie Jogg Bertschinger und anderen! In meiner Erinnerung ist es aber geblieben, dass auch am Rickenpass die Riede voll weisse Blüten waren, und es ist in kurzer Zeit fast alles verschwunden. Ich glaube kaum, dass in der Gegend von Kaltbrunn bis Schänis besondere Rücksicht auf die Märzenglöcklein genommen wurde, doch der tiefgründige, mullreiche, wohl einst Moorboden hat ihre Knollenvermehrung so günstig beeinflusst, dass noch immer die weisse Blütenpracht jung und alt erfreut!