Wenn ich um 50 Jahre zurückdenke, und ich befinde mich mitten in einer Heuwiese, auf dem Rücken liegend wie damals, den Wolken, die wie weisse Schwäne hoch über mir dahin ziehen, einfach nachschaue und träume, die Sinne selig durch der Jugend Sommergarten schweifen lasse und alle Sorgen jener Jahre vergesse, dann denke ich an meines Lebens schönste Stunden, und sie sind für immer vorüber und vorbei! Doch wird diese Wiese wieder lebendig, mit allen ihren Blumen und Gräsern, Käfern, Fliegen und Faltern, Schmetterlingen und Heuschrecken ist sie vor meinem inneren Auge wieder da. Die Vielfalt der Formen und Farben, der Reichtum an Stimmen und Düften entzückte damals meine Sinne und jede Faser des Körpers bis in den hintersten Winkel des Gemüts.
Was war denn einst so herrlich an einer Wiese? Es war Ganzheit der Schöpfung – das Zusammenspiel aller ihrer lebendigen Glieder! Da sind einmal die Pflanzen, so vielfältig, ich weiss kaum, wo mit Aufzählen beginnen. Die Gräser mit ihren Rispen und Ähren, die beim Blühen so herrliche Düfte verbreiten und die Kräuter mit ihren farbigen Blumen, zusammen mit allen den saugenden und naschenden Besuchern. Ich will diese meine Wiese heute beschreiben. Zwar sind 60 Jahre vorbeigegangen im Flug der Zeit und vieles hat sich verändert!
Gemäht wird noch mit der Mähmaschine, oder heute auch mit dem Traktor. Mist aber wird nicht mehr von Hand gezettet – Gülle mit dem Werfer verschlaucht. Statt einmal, jetzt drei bis viermal im Jahr. Als Bauer und Imker hatte ich immer ganz verschiedene Interessen im Kopf. Als Bauer frühen Schnitt mit eiweissreichem Futter für Silage. Doch der Imker im Innersten sagte: «Halt!». Lässt zuerst den Löwenzahn verblühen und erntet dann. Die Folge davon? Eine etwas rohfaserreichere Silage, aber sehr selten im Winter Durchfall bei den Tieren, und daher gesünderes Vieh!
Und schauen wir heute diese Wiese an! Auffallend zuerst die geschlossene Grasnarbe mit immer noch vielen Kräutern. Im Fachjargon leider als Unkräuter benannt. Da sind Löwenzahn, Pippau, Habichtskraut, Waldnelke, roter Wiesenklee, Weissklee und auch Hornklee, Hahnenfuss und Wegerich. Vereinzelt auch Kerbel und Bärenklau, Hornkraut, Braunelle und Günsel, Schaumkraut, und hin und wieder eine Glockenblume oder gelber Wiesenbocksbart.
Dazu ist aber zu bemerken, dass immer mit Mineralstoffdünger sparsam umgegangen wurde, weil das Kosten-Nutzen-Verhältnis massgebend war. In neuerer Zeit wurde aber nur dann gedüngt, wenn Bodenproben einen Mangel zeigten. Die Erträge und der finanzielle Erfolg sind gemessen am Aufwand immer im Rahmen geblieben. Es muss also nicht sein, dass eine ökologische Landwirtschaft die Blumen aus den Wiesen verdrängt!