Immer schon haben mich die Wiesen und Felder im Jahreslauf angesprochen und sind heute im Ruhestand noch immer wert, besucht und genau beobachtet zu werden. Darum bin ich immer wieder gern ins Unterland gefahren, weil ja bei uns seit einiger Zeit kaum mehr etwas anderes als Naturwiesen und selten Silomais anzutreffen ist. Ich bin aber noch mit Kartoffel-, Korn-, und Gerstenacker aufgewachsen, und wenn die Zeit der blühenden Weizenfelder gekommen ist, muss ich sicher einmal ins Unterland fahren, um so richtig die neue Ernte zu riechen und die blühenden Kartoffeläcker hautnah zu erleben. Gefühlsmässig, glaube ich, geht heute jedem Nichtbauern etwas ganz Fundamentales verloren, das in früheren Generationen noch fassbar war, weil irgendjemand in der Familie noch auf dem Land lebte und Bauer war. So wussten noch die meisten Kinder, woher Milch und Brot kommen und wieviel Mühe mit dem täglichen Brot verbunden ist. Heute kommt beides vom Migros oder Coop und ist so selbstverständlich wie ein gutes Bett und ganze Kleider.
Bei einem Besuch in Costa Rica ist mir vor vier Jahren bewusst geworden, wie sorglos wir mit unserem Überfluss umgehen und kaum mehr daran denken, dass es vor noch gar nicht langer Zeit auch bei uns eine Rationierung und Massnahmen wie fleischlose Tage und Malzeitencoupons gab. Die sehnsüchtigen Blicke der hungrigen Schulkinder konnte ich so nicht einfach vergessen. Bei uns ist eine reiche Ernte nicht mehr den Dank an den Schöpfer wert, weil Überschuss doch nur Probleme macht!