Schon immer war für mich die Natur mit ihren vielen Wundern eine Kraftquelle, aus der ich für die bäuerliche Arbeit immer wieder die nötigen Energien für den Alltag holen durfte. Und so sind die wenigen Freistunden immer gern in unserem so vielfältigen Bergland verbracht worden. Es braucht ja so wenig, um zu einer herrlichen Aussicht in die Berge und zum Ober- und Zürichsee zu kommen, oder aber eine blühende Halde oder einen wild grünenden Waldrand zu bestaunen.
Den kleinen und verborgenen Sachen nachspüren muss aber schon von Jugend auf gelernt werden, und von den Eltern oder in seltenen Fällen von der Schule der Anstoss dazu kommen, denn später braucht es schon viel mehr, um noch ein guter Beobachter der Natur zu werden. Vor allem aber ist oft in den späteren Jahren kaum mehr die Musse vorhanden, um vielleicht stundenlange Beobachtungen an einem Wasseramselnest zu machen, ohne welche man sicher nie hinter die geheimnisvollen Zusammenhänge der Naturwunder kommen wird.
Gar zu oft aber sind es seltene Zufälle, welche uns wieder ein weiteres Stück unserer Umwelt erkennen lassen. So glaubte ich vor Jahren auf dem Miststock einen jungen Kuckuck entdeckt zu haben und wollte ihn schnell meinen Kindern und einem Besuche zeigen. Der Vogel hatte sich von Anfang an seltsam benommen, aber mir war kein Verdacht gekommen, es könnte kein Kuckuck sein, bis dann die Kinder noch ein paar andere der wolligen, braun gescheckten, eben flügge werdenden Nestlinge entdeckten. Nun war mir mit einem Mal klar, dass es sich nur um Wendehälse handeln konnte, die auf der nahen Eiche gebrütet hatten. Schon den ganzen Frühling hatte ich ihren Ruf vernommen, aber nie genau feststellen können, wo ihr Nest zu suchen war. Jetzt aber begriff ich das seltsame Verhalten des zuerst entdeckten, er heisst ja nicht von ungefähr Wendehals.
Etwas scheint mir in der heute schnelllebigen Zeit verloren gegangen zu sein: Viele Menschen können nicht mehr staunen! Die Wunder der Natur werden nicht mehr tief empfunden, und schon gar nicht mehr hinterfragt. Man ist von den zu vielen Eindrücken des Fernsehens überfüttert mit dem Geschehen in der weiten Welt, so dass für die kleinen Dinge kaum mehr Platz bleibt, sie richtig zu erkennen und auch noch beim Namen zu nennen. Wir hören oft, diese und jene Art sei auf der roten Liste am Aussterben, und wenn nicht bald etwas geschehe, dann sei es eben zu spät. Diesem Umstand kann aber nur abgeholfen werden, wenn alle Beteiligten, von unsern Behörden bis zum einfachen Bürger, aber auch die Schule, die kaum mehr Zeit findet für die einfache Botanik, zusammenspannen und von unten her in unsern Köpfen Raum schaffen für die Erkenntnis, dass es auf die Dauer nicht im bisherigen Tempo der Zerstörung unserer Umwelt weitergehen darf. Es braucht so wenig und kostet nicht viel, eine grünende Hecke, ein Feldgehölz oder einen Hochstammbaum zu erhalten, aber beginnen muss man und nicht ruhen, bis auch der letzte ihren Nutzen erkennen kann.