Nach mehr als 50 Jahren habe ich in einem alten Schulheft Verse ausgegraben und war eigentlich erstaunt, dass ich mich in dieser langen Zeit noch immer mit den gleichen Themen, Natur und Schöpfung, befasse. Wie damals ist ein Gang durch die Wälder und Felder der Umgebung noch immer auch ein Dank an den Weltenschöpfer, der alles so herrlich für uns Menschen eingerichtet hat, und mögen meine Verse ein ganz kleines Stück von dieser Grösse und Unvergänglichkeit einfangen und weitergeben.
Unser Oberland birgt ja so viele Herrlichkeiten, seien es nun unsere Wälder, Felder oder die noch verbleibenden Moore, aber auch die noch im Naturzustand sich befindenden Runsen, Tobel und viele krautgesäumte Gräben und Bäche. Gerade vergangene Woche haben wir in der Nachbargemeinde den noch zahlreich blühenden Frauenschuh bewundert, der wie eh und je so etwas wie die Krönung der Planzenwelt darstellt und heute auch nicht mehr wie in der Vergangenheit in irgendeiner Blumenvase verwelken wird. Dieses Jahr sind auch die Riede der Umgebung wieder besonders bunt, und es blühen unzählige Knabenkräuter, Sumpfwurz und eine Menge Akelei. In den Wäldern waren schon sehr früh die Zahnwurz und viele Windröschen und Primeln erblüht und freuten jeden aufmerksamen Wanderer, aber auch die noch am Leben gebliebenen Bienen.
Schon immer war auf meinen Wegen das Bestreben massgebend, die Flora nicht nur zu bewundern, sondern sie auch beim Namen zu nennen, und dementsprechend auch mit der nötigen Sorgfalt durch die Natur zu gehen. Auf diese Weise ist aber jeder Gang durch die Felder ein immer neu Entdecken der unendlichen Vielfalt in Berg und Tal. Sorge bereitet mir aber in den letzten Jahren, dass eingeschleppte Fremdlinge unsere Flora richtiggehend bedrohen. Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), und neulich besonders das Kanadische Berufkraut (Conyza canadensis) haben sich manchen Orts stark verbreitet und werden besonders entlang den Strassen und in vielen Moorlandschaften zur Plage. Kaum sind diese Pflanzen verblüht, sind an jeder tausende fliegende Samen reif und werden mit dem Fahrtwind der Autos über weite Strecken verbreitet. Aber auch der Wind trägt den Samen in alle Richtungen davon. Besonders in den spät zu mähenden Ökowiesen kann das Berufkraut die Flora total verändern.