In den Jahren meiner Schulzeit waren meistens strenge Winter. Ich erinnere mich an die erste Klasse, mit wochenlanger Bise und ständig verwehten Wegen. Ich getraute mich manchmal nicht, allein vom Felmis nach Hause zu gehen, und ich wurde vom Vater abgeholt, wenn er die Zeitung in der Hütte abholte, weil auch der Briefträger durch den tiefen Schnee nicht mehr für jeden Hof Zeit fand, die Post selbst zu bringen. So wurde dann aber der Frühling umso mehr herbeigesehnt. Die ersten aperen Stellen waren immer in der ›Sandgrueb‹ und wurden von uns Buben mit Freude festgestellt. Die ganze Halde hatte ›Falchergras‹ und wurde dementsprechend zum ›Falchern‹ benutzt (Abbrennen von fahlem dürren Gras). Wenn es rundherum noch Schnee gab, war dies kein Problem. Aber einmal, als schon früh kein Schnee mehr lag und oberhalb der dürre Herbstmist auf dem Feld auch Feuer fing, war es den Felmissern nicht mehr ganz geheuer, und wir mussten nach Hause fliehen, als Heinrich Kindlimann mit einem Besen erschien um der Glut Herr zu werden.
Wenn bei uns im Gheist noch alle Wiesen mit Schnee bedeckt waren, gab es am steilen Bord unter dem ›Buuacher‹ die ersten Anemonen und Schlüsselblumen. In der Zeit der Schneeschmelze waren die Strassen aufgeweicht, und wenn ein Fuhrwerk gefahren ist, gab es immer tiefe Radspuren. So sind auch die Fuhrleute in dieser Zeit weniger gefahren, weil es kaum ratsam war, schwer zu laden, drohte doch beim Kreuzen mit einem entgegenkommenden Gefährt das Abrutschen in die meist tiefen Seitengraben.
Für uns Kinder wurde aber der Schulweg immer interessanter, die Vögel zwitscherten in den noch kahlen Bäumen, und jeden Tag wurden die Böschungen entlang der Strasse grüner. Aber auch manchmal der Heimweg länger, weil es immer wieder etwas Neues zu entdecken gab. In den Naturstein-Mauern entlang der steilen Borde bei der Steingasse und in der ›Kürze‹ sonnten sich Eidechsen, und auch die ersten Weinbergschnecken konnten am Strassenrand bewundert werden. Bald blühten aber auch den Bächen entlang Schlüsselblumen und Windröschen, und es wuchs eine Menge Bärlauch. Da konnte man sich so schön mit Pflücken verweilen und musste dann oft das Mittagessen in Eile hinunterdrücken, um den Schulanfang um halb zwei nicht zu verpassen.
So habe ich auch nach über 60 Jahren noch viele Erinnerungen an den Schulweg, und die heutigen Schüler, welche oft mit dem Auto gebracht und wieder abgeholt werden, verpassen sicher das Schönste an der Schule, nämlich einen herrlichen und langen Schulweg.