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Hermann Schaufelberger (1926-2015)

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Im Krankenasyl

Posted on 1. April 20241. April 2024 by admin

Vor einiger Zeit bin ich eher zufällig einem früheren Bekannten begegnet, und es sind Erinnerungen an vergangene Tage wieder wach geworden, an einen Abschnitt meines Lebens, der eigentlich irgendwann einmal so gut wie abgeschlossen schien. Dreiundfünfzig Jahre ist es her, dass ich nach einem Unfall, unerwartet wie eben Unfälle sind, im Krankenasyl Wald meine erste Bekanntschaft mit dieser gemeinnützigen Anstalt machen musste. Da nützte aller Hader nichts, geschehen ist geschehen, und es würde sich wohl zeigen, auf welche Art sich der Schock überwinden liesse. Zuerst gab es trübe Tage, sowohl draussen in der Natur wie auch im innersten menschlichen Empfinden. Doch als draussen wieder die Sonne schien und die Glarner Alpen im strahlenden Lichte standen, aber auch Papier zum Schreiben vorhanden war, hat sich die Stimmung rasch gebessert, und ich konnte wieder getrost an die Zukunft denken.

Zwar hätte eigentlich mein Zimmernachbar eher das Gegenteil bewirken können. Er hatte während der Kriegszeit für den Bund im Festungsbau gearbeitet und sich dabei, ungeschützt wie damals gearbeitet wurde, eine Staublunge geholt. Er war alles andere als zuversichtlich für sein weiteres Leben. Es schien, dass auch die Versicherung seines Unternehmers Schwierigkeiten machte und seine Frau mit ihren Kindern in finanziellen Nöten war. Was ich aber nicht begreifen konnte, mein Zimmernachbar verstiess fortlaufend gegen die Hausordnung und wollte den Verdacht erst noch auf andere lenken. Als Lungenpatient hatte ihm der Chefarzt viel frische Luft verschrieben, sein Spaziergang hatte aber schon in der nahe gelegenen Wirtschaft ›Frohe Aussicht‹ ihr Ende, und von dort wurde für einen chronischen Alkoholiker im Nebenzimmer Most ins Asyl geschmuggelt. Weil auch ich Ausgang bewilligt hatte, kam rasch auch der Verdacht auf mich. Nur war der feinen Nase der Schwester nicht entgangen, wer von uns beiden jeweils gegen Abend eine ›Fahne‹ hatte. So wurde mein Bettnachbar ins Chefbüro zitiert, und es wurde ihm gar eine Wegweisung angedroht, was von diesem aber als grosses Unrecht empfunden wurde.

Dass alle diese Erinnerungen wieder ganz klar im Bewusstsein sind, hat eine Begegnung bewirkt, wie sie jeden Tag vorkommen, mit dem Unterschied, dass dabei manchmal ganz unbewusst in unserem Innersten etwas anklingen kann und, ob gut oder böse, Emotionen auszulösen vermag, die auch nach über einem halben Jahrhundert die Gedanken wieder vollkommen in Beschlag nehmen können. Ich habe damals meinen Bettnachbar nach dem Austritt aus dem Asyl nie wieder gesehen, und doch sind meine Gedanken oftmals wieder auf seine Familie gekommen, wenn ich von jemandem hörte, der eine Staublunge oder Silikose hatte. Und ich denke, dass solche Begegnungen zu unserem Dasein gehören wie Essen, Trinken, Schlafen und Träumen. Vergessen aber kann man solches Zusammentreffen ein Leben lang nicht!

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