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Hermann Schaufelberger (1926-2015)

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Bauernbrot

Posted on 1. April 2024 by admin

So lange ich mich zurückerinnern kann, wurde bei uns im Gheist sechs bis sieben Monate im Jahr selber Brot gebacken. Seit dem ersten Weltkrieg hat mein Vater nie aufgehört, Kartoffeln und Korn zu pflanzen. So waren immer bis 15 Aren mit Kartoffeln und ca. eine Juchart (36 Aren) Korn und Gerste unter dem Pflug. Die Fruchtfolge war meistens im ersten Jahr Kartoffeln, dann zwei Jahre Korn (Dinkel), und im dritten Jahr Sommergerste mit eingesäter Rotklee-, Knaulgras-, Fromental- und Kammgras-Mischung. Diese wurde vier bis fünf Jahre genutzt und dann wieder umgebrochen. Gepflanzt wurden bei den Kartoffeln die Sorten Ackersegen und Erdgold, zwei sehr robuste, wenig anfällige Spätsorten. Korn wurde immer mit Waadtländer Weisskorn, einer standfesten und sehr ertragreichen Westschweizer Dinkelsorte mit wenig Ährenbruch angebaut. Diese besass eine hervorragende Brotqualität und war extra winterhart!

Unser Nachbar Alfred Peter hat uns jeweils mit seiner Schmaldreschmaschine im Dezember die Garben in der Scheune gedroschen. Ab 1930 wurde mit dem ‹Rapid› Motormäher angetrieben. Zuvor mussten drei bis vier Mann von Hand diese schwere Arbeit verrichten. Man kann sich kaum mehr vorstellen, was das für Most und Speck oder Käse als Energielieferant gebraucht hat. Anschliessend musste man einige Tage lang mit der Windmühle das Korn putzen. Der nicht mahlfähige Abgang wurde im Winter den Kühen gefüttert. Das gute Korn schickte der Vater in die Mühle ‹Heitertal› in Kollbrunn zum Rellen und anschliessenden Mahlen zu Bauernmehl. Rellen war notwendig, weil die Dinkelkörner beim Dreschen in den Spelzen bleiben! Hat sich aber der weite Transport überhaupt gelohnt? Die SBB hatte in jener Zeit für landwirtschaftliche Erzeugnisse einen speziell tiefen Tarif. 300 kg kosteten ins Tösstal nur gut drei Franken. Der Bund zahlte aber etwa 12 Franken Mahlprämie für 100 kg.

Nun, ab etwa Mitte September, je nach Wetter, wurde selber Brot gebacken. Je nach Anzahl der Personen wurde zwischen acht und zwölf Pfund Mehl am Abend bereit gemacht und in der ‹Bachgelte› auf die Ofenbank gestellt, dass es über Nacht etwas wärmer wurde. Nach dem Morgenessen hat dann die Mutter den ‹Hebbel› gemacht. In einer Vertiefung im Mehl mischte sie mit einem Liter Wasser und der Hefe aus der Bäckerei zusammen mit etwas Mehl einen Vorteig und liess diesen eineinhalb Stunden gehen. Ich weiss noch genau, dass mich die Mutter schon als ganz klein in die Scheune geschickt hat, dem Vater zu melden: «De Hebbel ìscht ggange, muescht cho chnȁtte!» Ja, diese strenge Arbeit hat immer der Vater gemacht. Wohl schon seit der Kriegszeit nach einem Backkurs vom Landwirtschaftlichen Konsum-Verein Hüebli und Umgebung. In der kalten Zeit wurden dabei immer zwei bis drei Pfund Mehl durch gemahlene Kartoffeln ersetzt. Dies machte das Brot etwas feuchter, aber eben auch weniger lange haltbar. Die frisch gekochten Knollen wurden durch den feinsten Einsatz der Fleischhackmaschine getrieben und am Anfang des Knetens mit dem Hebbel vermischt und damit möglichst gleichmässig im Teig verteilt. Gebacken wurde im grossen Kachelofen, der mit Tannenscheiten geheizt wurde. Vor dem Brot kamen aber immer drei bis vier Wähen in den Ofen, und zum Mittagessen gab es dann Suppe und Früchtewähe.

Nie wurde bei uns altes Brot dem Vieh gefüttert! Immer hat es noch eine Verwendung in der Küche gefunden. Brotsuppe oder Brotschnitten, ‹Tünkli›, oder zu Paniermehl gemahlen. Einmal aber wurde der Vater böse, weil Ferienkinder mit Brot die Enten und Hühner füttern wollten. Dafür war dann doch unser manchmal zwar altbackenes Bauern-Brot zu gut! Diese Einstellung zum Brot habe ich heute noch, und es ärgert mich nichts mehr, als wenn ich irgendwo weggeworfenes Brot sehe. Ich denke dann immer daran, wieviel Mühe früher hinter dem guten Brot steckte, aber auch, wie viele Menschen unsrer Erde ihr Leben lang nicht genügend zu essen haben.

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